Unsere Förderer2019-10-01T15:57:15+00:00

Unsere Förderer

Auf dieser Seite stellen wir Menschen vor,
die uns durch ihre  Zuwendung helfen.

„Ich möchte etwas für die
Schönheit der Landschaft tun.
Wie kann ich Sie unterstützen?“

So meldete sich im Sommer 2009 Günter Wening
bei Josef Göppel. Ihn hatte die Arbeit der Landschafts-
pflegeverbände in seiner fränkischen
Heimat überzeugt. Beide trafen sich danach zu mehreren Wanderungen, bei denen sich herausstellte, dass Wening ein profunder Kenner der heimischen Flora und Fauna war, wusste, welche Pflanzen und Tiere bedroht waren und wie man ihnen Habitate für das Überleben anbieten könnte.

Günther Wening und Josef Göppel

Günter Wening war Ingenieur für Elektrotechnik und hat sein Berufsleben bei dem weltweit agierenden Hersteller für elektronische Mess- und Regeltechnik Metrawatt in Nürnberg verbracht, davon viele Jahre als verantwortlicher Abteilungsleiter. Er blieb unverheiratet und kinderlos. Von den Anforderungen des Berufes erholte er sich früher mit Freunden auf Wasser­wander­ungen in selbstgefertigten Kanus. Später kamen ausgedehnte Wanderungen im Alpenvorland und in den Bergen dazu. Seine Ziele steuerte er mit einem alten VW-Bully an, den er selbst mit Bett und Kochecke ausgerüstet hatte. Auf seinen Wanderungen stellte Günter Wening naturkundliche Beobachtungen an und machte Freunde immer wieder auf das schnelle Verschwinden typischer Pflanzen und Tiere in der Bergwelt aufmerksam.
Seit 2009 hat Günter Wening der Stiftung Jahr für Jahr Zustiftungen zukommen lassen. Er starb nach schwerer Krankheit im Sommer 2017. Bei der Testamentseröffnung stellte sich heraus, dass er der Stiftung ein bedeutendes Wertpapierdepot zugewendet hatte. Die Stiftung Deutsche Landschaften hat – mit Günter Wening abgesprochen – aus den von ihm zur Verfügung gestellten Mitteln den fränkischen Landschaftspflegeverbänden unter anderem ermöglicht, in der Heimat unseres Förderers einen historischer Wanderweg für Wallfahrer (Jakobsweg) wieder zugänglich zu machen und einen Bierkeller im Berginneren für Fledermäuse zu öffnen.
LESEN SIE WEITER

„Die Stiftung ist Eigentümerin
eines Hofes in Berlin-Gatow geworden.

Hans Joachim (Jochen) Ernst, der Vorsitzende des Landschaftspflegeverbandes Spandau, hat ihr den von drei Generationen der Familie Ernst bewirtschafteten Annenhof übertragen und damit die bedeutendste Zustiftung in das Vermögen der Stiftung geleistet. Der 6.000 qm grosse, mit zwei Wohnhäusern, einem Schlupfdach und einer Halle bebaute Hof ist überwiegend an landwirtschaftsnahe Unternehmen vermietet und bringt so regelmässige Einnahmen. Jochem Ernst hat ein lebenslanges Nießbrauchsrecht an seiner Zustiftung, kann dort also weiter wie ein Eigentümer schalten und walten. Die Stiftung hat sich verpflichtet den Hof nicht zu verkaufen, sondern zu erhalten und dort an die Familie Ernst zu erinnern.

Wer ist dieser Bauer Ernst?

Jochen Ernst ist 1948 in dem Dorf Gatow am südwestlichen Rand des berliner Bezirks Spandau geboren. Dieses Dorf umfasst 500 Ha Landwirtschaftsfläche. 80 Ha davon gehörten zum Annenhof der Familie Ernst. Der Hof wurde in den 20iger Jahren des letzten Jahrhunderts vom Grossvater Otto Ernst gegründet. Er war um die Jahrhundertwende aus dem Magdeburgischen als Gutsinspektor auf das Gut Neukladow gekommen. Aus diesem Gut stammte die Mutter des Reichskanzlers Otto von Bismarck (Louise Wilhelmine Menken). Zu Otto Ernsts Zeit war es ein kultureller Mittelpunkt. Der Kunsthistoriker Johannes Guthmann führte dort ein offenes Haus. Künstler wie Max Slevogt, Gerhard Hauptmann, Max Reinhardt und Philosophen und Politiker wie der spätere Aussenminister Walther Rathenau verkehrten hier. Als die Familie Guthmann das Gut 1928 aufgab, kaufte Otto Ernst im nahen Dorf Gatow einen insolventen Milchbetrieb mit 80 Hektar Land, den er nach seiner Frau, Jochen Ernsts Grossmutter Anna benannte. Er führte den Betrieb zu neuer Blüte und belieferte exklusiv die Zeppeline, die auf dem nahen Flugplatz Staaken zu Interkontinentalflügen starteten mit Milchprodukten. Als Jochen Ernsts Vater Oskar 1946 aus Krieg und Gefangenschaft nach Hause kam war der Hof mehrfach geplündert. Um die Lebensmittelknappheit zu entschärfen wies die alliierte Kommandantur dem Annenhof 80 Arbeiter und 32 Pferde (16 Gespanne) zu, mit denen die Familie Ernst vor allem Gemüse anbaute, das sie an die Lebensmittelverteilung der Kommandantur abzuliefern hatte. Aus dieser Zeit stammt das Foto eines Lanz Bulldogs mit dem Kennzeichen KB (Kommandantura Berlin) und ein Foto von der Grünen Woche, auf der der Annenhof einen Berg aus Gemüse aufgebaut hatte. Oskar Ernst wurde für seine Aufbauarbeit mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. (das genauso seiner Mutter zugestanden hätte). Nach seiner Landwirtschaftslehre auf dem elterlichen Hof und einem mit neuester Technik ausgestatteten Zuckerrübenbetrieb bei Uelzen besuchte Jochen Ernst die Fachhochschule Hildesheim, die er 1971 mit dem Diplom als Landwirtschaftsingenieur abschloss. Die Zeiten für die Landwirtschaft am Rande der Grossstadt wurden schwerer. Grössere Betriebe in West-Deutschland konnten günstiger produzieren. Jochen Ernst verlegte sich auf die Haltung von Pensionspferden, für die er auch die Futtermittel anbaute. Ausserdem waren sein Maschinenpark auf den grossen Grünflächen der Westhälfte Berlins gefragt. Auf vielen Fotos sieht man die landwirtschaftlichen Maschinen vom Annenhof vor bekannter Kulisse: Sie grubbern, sähen und mähen vor dem Reichstag, hinter dem Schloss Charlottenburg oder rund um die Siegessäule, arbeiteten für die Herstellung der 90 Hektar grossen Bundesgartenschau 1985 (heute Britzer Garten) und nach der Wiedervereinigung der Stadt ebenso im Marzahner Erholungspark. Der Wandel in der Landwirtschaft und der Nutzungsdruck der Berliner Erholungsuchenden auf seine Flächen hat den Bauern Ernst – wie er allgemein genannt wird – früh zum Nachdenken gebracht. Lange bevor der Zeitgeist den Natur- und Umweltschutz entdeckte, hat sich Jochen Ernst schon für seine Beachtung in der Landwirtschaft eingesetzt und mit dem Arbeitskreis Gatow dafür gesorgt, dass diese letzte grössere Feldflur im damals noch eingemauerten West-Berlin freigehalten und in ungezählten freiwilligen Einsätzen naturschutzfachlich aufgewertet wurde.
Dieser von Jochen Ernst 1978, also vor 41 Jahren mit begründete Arbeitskreis Gatow kann als Vorläufer der Landschaftspflegebewegung angesehen werden, die heute deutschlandweit in 173 Landschaftspflegeverbänden organisiert ist. Denn schon im Arbeitskreis Gatow arbeiteten Umweltschützer Landwirte und lokale Politiker Hand in Hand und auf ehrenamtlicher Basis für den Erhalt und die Verbesserung eines durch Nutzungsdruck. gefährdeten naturnahen, artenreichen Gebiets. Diese Arbeit hat Jochen Ernst mit dem 2006 von ihm initiierten gemeinnützigen Landschaftspflegeverband Spandau professionalisiert und auf ganz Spandau und weitere Bezirke Berlins ausgeweitet. Heute hat der Landschaftspflegeverband über 40 Mitglieder, darunter allein 13 aktive Landwirte und ist für das Bezirksamt Spandau ein für die Erhaltung und Inwertsetzung seiner Grünflächen unverzichtbarer Partner geworden. Im laufenden Geschäftsjahr wird der Landschaftspflegeverein einen Umsatz von rund 1 Mio. € machen. Nicht nur Schutz und Verbesserung unserer natürlichen Lebensgrundlagen liegen Jochen Ernst am Herzen, sondern auch das soziale Klima der Stadt. Gleich nach der Wiedervereinigung gründete er mit dem Vorsitzenden der landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft Edwin Hörnle, Berlin-Marzahn, und Landwirtschaftswissenschaftlern der Humboldt-Universität den gemeinnützigen Verein GAIA (Gesellschaft für Arbeit, innovativen Landbau und Ausbildung), den er viele Jahre als Vorsitzender leitete. Der Verein übernahm zunächst 250 durch „die Wende“ arbeitslos gewordene Mitarbeiter der Berliner Stadtgüter und führte mit ihnen in der ganzen Stadt Arbeiten zur Verbesserung von Umwelt und Natur durch. Insgesamt hat der Verein mehreren tausend Menschen mit verschiedenen Arbeitsbeschaffungsmassnahmen geholfen. Jochen Ernst hat sich vor keinem Ehrenamt gedrückt. Er versteht, dass eine Gesellschaft nur so lange gut funktioniert, wie genügend Menschen bereit sind, sich ehrenamtlich für sie zu engagieren. So war er 25 Jahre Arbeitsrichter (15 Jahre Arbeitsgericht Berlin, 10 Jahre Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg) und ist immer noch Landwirtschaftsrichter Er ist nach wie vor landwirtschaftlicher Gutachter und war bis vor kurzem öffentlich bestellter Gutachter der Senatsverwaltung für Bauen und Wohnen. Mit ganzem Herzen hat er sich ein Leben lang in den Vereinen seines Dorfes Gatow engagiert, der Feuerwehr, der Kirchengemeinde, dem Fussballverein. Wann immer die Mittel für ein Fest, eine Veranstaltung nicht ausreichen, auf Jochen Ernst und sein grosses Herz ist Verlass. Er spendet das, was noch fehlt. Von ihm ist da nichts näheres zu erfahren, aber die Gatower sagen, dass die 750 Jahrfeier des Dorfes ohne seinen Beitrag sehr viel einfacher ausgefallen wäre.
LESEN SIE WEITER